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Ratgeber

Was ist ein Hygieneschrank?

Ein Hygieneschrank ist ein meist an der Wand montierter Schrank, in dem Verbrauchs- und Hygienematerial so untergebracht ist, dass es einzeln und möglichst berührungsarm entnommen werden kann. Typische Inhalte sind Einmalhandschuhe, Mundschutz, Mundspülbecher, Papierhandtücher und Desinfektionsmittel. Eingesetzt werden Hygieneschränke vor allem in Zahnarztpraxen, kieferorthopädischen und chirurgischen Praxen sowie in Kliniken.

1.Begriff

Für dieselbe Art von Schrank sind mehrere Bezeichnungen üblich:

  • Hygieneschrank: betont den Zweck, Hygieneartikel geordnet und geschützt bereitzuhalten.
  • Spenderschrank: betont die Funktion, weil die Materialien über eingebaute Spender ausgegeben werden.
  • Spenderschrank-System: meint Schränke, deren Innenaufteilung aus kombinierbaren Einbauteilen besteht und an den Bedarf angepasst wird.

Im Handel werden die Begriffe weitgehend gleichbedeutend verwendet. Abzugrenzen sind einzelne Wandspender (z. B. ein Handtuch- oder Desinfektionsmittelspender), die jeweils nur ein Material ausgeben.

2.Zweck

  • Einzelentnahme: Ausgabeöffnungen an der Unter- oder Seitenseite geben jeweils nur ein Teil frei, etwa einen Handschuh oder ein Papierhandtuch. Der Vorrat im Inneren wird dabei nicht berührt.
  • Geschützte Lagerung: Packungen stehen nicht offen auf Arbeitsflächen und sind vor Spritzern und Aerosolen besser geschützt.
  • Freie Arbeitsflächen: Flächen ohne abgestellte Kartons lassen sich leichter reinigen und desinfizieren.
  • Ordnung am Behandlungsplatz: Jedes Material hat einen festen Platz in Griffweite.

3.Einsatzorte

Einsatzort Typischer Inhalt bzw. Einsatz
Zahnarztpraxis Handschuhe, Mundschutz, Mundspülbecher, Patientenservietten, Speichelsauger.
Kieferorthopädie zusätzlich z. B. Abdrucklöffel.
Chirurgie und Arztpraxis Handschuhe, Papierhandtücher, Händedesinfektion.
Klinik und Pflege Patientenzimmer, Funktions- und Behandlungsräume, oft mehrere Spender je Raum.

4.Bauformen, Materialien, Montage

  • Bauform: überwiegend Hänge- bzw. Oberschränke mit Klappe oder Türen zum Nachfüllen; die Entnahme erfolgt von unten oder seitlich. Daneben gibt es offene Wandhalterungen und Spenderleisten ohne Korpus.
  • Maße: Breiten und Tiefen richten sich nach der Zahl der Spender und den Packungsgrößen; viele Hersteller bieten Standardbreiten und Sondermaße an.
  • Einbauteile: Handschuh- und Mundschutzspender oder -klemmen, Becherspender, Falthandtuchspender, Rollenhalter, Abfallbehälter, Dosierer für Flüssigkeiten, berührungslose Sensorspender.
  • Materialien: üblich sind beschichtete Holzwerkstoffe, Kunststoff bzw. Acrylglas, Edelstahl und Glas; Fronten teils bedruckt oder in Dekoren passend zur übrigen Einrichtung.
  • Montage: Befestigung an der Wand in Arbeitshöhe am Behandlungsplatz; Tragfähigkeit der Wand und Abstand zu Wasch- und Arbeitsbereichen sind bei der Planung zu berücksichtigen.

5.Hygieneaspekte

Für die Reinigung und Desinfektion von Flächen in medizinischen Einrichtungen gilt in Deutschland die Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ der Kommission für Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (Bundesgesundheitsblatt 2022; 65:1074–1115, seit 2026 inhaltlich unverändert in modularer Fassung)[1]. Sie sieht vor, dass jede Einrichtung ihre Bereiche nach Infektionsrisiko einordnet und daraus festlegt, welche Flächen gereinigt und welche desinfiziert werden; patientennahe, häufig berührte Flächen gehören zur Basishygiene[1][2].

Für einen Hygieneschrank heißt das praktisch:

  • Oberflächen sollten glatt, möglichst fugenarm und gegen die in der Einrichtung verwendeten Desinfektionsmittel beständig sein (Herstellerangaben prüfen).
  • Häufig berührte Teile wie Klappen, Griffe und Entnahmeöffnungen gehören in den Reinigungs- und Desinfektionsplan der Praxis.
  • Berührungslose Spender für Händedesinfektion verringern Kontaktflächen.
  • Beim Nachfüllen sollte das Innere ohne Werkzeug zugänglich sein, damit auch dort gereinigt werden kann.

Hinweis

Die frühere KRINKO-Empfehlung „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde“ (2006) führt das RKI nur noch unter früheren Empfehlungen; die meisten Punkte sind in neueren Empfehlungen aufgegangen[3].

6.Auswahlkriterien

Quellen

  1. KRINKO: Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen. Bundesgesundheitsbl 2022; 65:1074–1115. https://doi.org/10.1007/s00103-022-03576-1
  2. Robert Koch-Institut: Aktuelle KRINKO-Empfehlungen auf einen Blick. rki.de: Aktuelle KRINKO-Empfehlungen
  3. Robert Koch-Institut: Infektionshygiene in der Zahnheilkunde. rki.de: Zahnheilkunde